Veganismus und Tierrechte

Was sind "Tierrechte"?

Wer von Tierrechten spricht, meint damit weder den allseits bekannten und gesetzlich verankerten Tierschutz noch das Recht eines Tieres z. B. auf das Wahlrecht.

 

Der Tierschutz unterscheidet sich insofern vom Tierrecht, als dass er versucht, den Tieren ein "artgerechtes" Leben ohne unnötige (und hier scheiden sich bereits die Vorstellungen von nötig und unnötig ...) Leiden, Schmerzen und einer Tötung ohne "vernünftigen Grund" zu ermöglichen. Gleichzeitg schließt er jedoch eine Nutzung dieser Tiere nicht aus.

 

Der Tierrechtsgedanke gründet sich auf die Ansicht, dass Tiere die gleichen Rechte auf Leben, Freiheit und körperliche Unversehrtheit haben wie der Mensch und als leidensfähige und lebenswillige Individuuen mit einem Bewusstsein anzusehen und dementsprechend zu behandeln sind. Diese Einstellung schließt jegliche Nutzung (und auf lange Sicht wünschenswerter Weise auch Haltung) von Tieren ganz klar aus.

 

Der amerikanische Philosoph Dr. Tom Regan ist einer der anerkanntesten Vordenker in Sachen Tierrecht. Hier einige seiner Gedanken: Der Grundgedanke der Tierrechte


Und noch ein Link zum Weiterlesen:

http://www.tierbefreier.de/tierrechte.html

Vegan – was heißt das?

Veganer*innen konsumieren weder Fleisch (auch kein Geflügel und Fisch) noch Milchprodukte, Eier, Honig oder jegliche andere Produkte mit tierlichen Bestandteilen.

 

Ethisch motivierte Veganer*innen lehnen nicht nur tierliche „Nahrungsmittel“ ab, sondern auch andere Produkte, bei deren Gewinnung Tiere getötet werden oder leiden müssen (z. B. Kleidung aus und mit Pelz, Wolle, Leder oder Seide).

 

Über die Vermeidung von Tierleid hinaus erkennt der Veganismus den Tieren auch das Recht auf Leben, Unversehrtheit und Freiheit an. Der Veganismus beruht (für ethisch motivierte Veganer*innen) auf dem Tierrechtsgedanken.

 

Veganismus bezeichnet also eine Philosophie und Lebensweise, die versucht – soweit wie möglich und praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeit an Tieren für Nahrung, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden.

Warum "vegan"?

Es gibt zahlreiche Gründe für eine vegane Ernährung. Viele Menschen lehnen beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen den Verzehr tierlicher Produkte ab. Sei es, weil sie auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagieren oder unter einer Nahrungsmittelintoleranz leiden, oder weil sie feststellen, dass der Verzicht ihrer Gesundheit gut tut (eine beträchtliche Anzahl von Studien belegt beispielsweise, dass Milchkonsum das Osteoporose-Risiko nicht hemmt, sondern steigert).

 

Außerdem sind viele gravierende Umweltschäden (Regenwaldabholzung, Versauerung der Meere und Böden, Klimawandel) maßgeblich durch den Konsum von Fleisch und anderen tierlichen Produkten überhaupt erst entstanden oder verstärkt worden. Ein Verzicht auf diese Produkte trägt somit zum globalen Umweltschutz bei.

 

Für die meisten Veganer*innen ist jedoch der ethische Aspekt ausschlaggebend – zu dem z. B. das tägliche Leid der zu Lebensmittellieferanten und Ressourcen degradierten Tiere gehört. Darum beinhaltet eine vegane Lebensweise nicht nur die Ernährung, sondern auch den Verzicht auf andere Formen der Tierausbeutung wie Tierversuche, Zirkus, Pelz und Leder etc.

 

Im Folgenden finden Interessent*innen Erläuterungen dazu, wieso nicht nur für die „Fleischproduktion“, sondern auch für andere Tierprodukte Tiere leiden und sterben müssen.

 

Eier

„Legehennen“ werden auf engstem Raum in Käfigen gehalten oder in der sog. „Bodenhaltung“ zusammengepfercht, so dass sie sich kaum bewegen und ihrem instinktiven Verhalten, wie z. B. Scharren und Picken, in keinster Weise oder nur stark eingeschränkt nachkommen können. Krankheiten und Verletzungen, die nicht selten zum Tod führen, sind die Folge dieser extremen Haltungsformen.

 

Nach ungefähr einem Jahr, wenn die Eierproduktion einer Henne sinkt, wird diese getötet. Die natürliche Lebenserwartung einer Henne beträgt 20 Jahre. Hier bieten auch die sog. Freiland- und die Biohaltung keine ethisch vertretbaren Alternativen. In jeder Form der „Eierproduktion“ werden die Jungtiere nach Geschlecht sortiert (gesext). Die männlichen Küken (für die keine Verwendung besteht) werden – meist nur einen Tag alt – erstickt, geköpft, zerstückelt und enden als Abfall.

 

[Nur bei bestimmten „Fleischrassen” werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere gemästet (5-6 Wochen lang), und dann ebenfalls getötet.]

 

Wer meint, Hühner würden von Natur aus immer Eier legen, liegt übrigens falsch: Normalerweise würden sie nur wenige Eier legen, um diese auszubrüten – wie andere Vögel auch. Unter den Bedingungen, in denen sie jedoch gehalten werden, passiert dies nie, da die Hühner gezüchtet werden, um möglichst viele Eier zu legen. Zusätzlich werden sie durch künstliche Lichtzufuhr und Futterzusätze dazu angeregt.

 

Milch

Auch wenn Kühe oft beim Weiden gesehen werden können, trügt der Schein des glücklichen Lebens, denn sie fristen ein erbärmliches Dasein. Um den ständigen Milchfluss zu gewährleisten, werden sie in eine künstlich erzeugte und permanente Schwangerschaft versetzt. Um diesen Zyklus aufrechtzuerhalten, werden die Kälber kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt, was für beide Tiere eine emotional schmerzhafte und stressauslösende Prozedur bedeutet. Die männlichen Kälber enden meist als Kalbsfleisch, wobei sie zuvor eine spezielle mineralstoffarme Nahrung bekommen, welche die beliebte helle Farbe des Fleisches garantiert. Die weiblichen Kälber werden mit Ersatzfutter aufgezogen und später als „Milchkühe” genutzt.

 

Die unnatürlich hohe „Milchproduktion“ der Kühe sowie die intensiven Haltungsbedingungen führen zu Krankheiten wie Lahmheit und geschwollenen Eutern. Wenn der Milchfluss nach etwa fünf bis sechs Jahren nachlässt, werden die Kühe getötet und durch neue ersetzt. Die natürliche Lebenserwartung einer Kuh liegt bei etwa 20 Jahren.

 

Fische

Fische schreien nicht, wenn sie verletzt werden und haben nur wenige Möglichkeiten, ihr Befinden – zumindest für den Menschen verständlich – auszudrücken. Sie verfügen jedoch über alle nötigen physiologischen Voraussetzungen, die Lebewesen dazu befähigen, Schmerzen zu empfinden. Die Angelhaken und Fischernetze, der Stress, die rasante Druckveränderung (durch welche die Tiere oftmals innerlich zerplatzen) und das Ersticken sind nur ein Teil der Qualen, welche die Fische beim Fangen erleiden. Die großen Treibnetze zerstören zudem ein empfindliches Ökosystem und reißen auch andere Tiere mit in den Tod. In der industriellen Fischzucht kommt ein Leben in Gefangenschaft und die Fütterung mit Wildfischen hinzu.

 

Honig

Ca. 60.000 Bienen leben in einem Stock. Für 1 Kilogramm Honig müssen sie 10 Millionen Blüten besuchen. Dann wird der Honig in den Mägen der Bienen mit anderen Sekreten vermengt. Dieses gesammelte Gemisch dient dem Bienenvolk als Wintervorrat. In der Honiggewinnung wird ihnen die natürliche Nahrung genommen und in der Regel durch eine Zuckerlösung ersetzt. Dadurch sind die Bienen anfälliger für Krankheiten. Der Honig in den Supermärkten wird in der Regel von Großbetrieben aus Südamerika importiert.

 

Leckere, tierleidfreie Alternativen sind unter anderem Agavendicksaft und Ahornsirup.

 

Leder, Pelz, Seide, Wolle und Daunen

Obwohl es zahlreiche pflanzliche und synthetische Alternativen gibt, werden immer noch Tiere zu Zwecken der Textilproduktion (Leder, Pelz, Seide, Wolle und Daunen) gehalten, gequält und getötet.

 

Weltweit werden jährlich Millionen von Tieren wie Nerze, Füchse und Chinchillas auf sog. Pelzfarmen unter schlimmsten Bedingungen in kleinen Käfigen gehalten, bis ihnen ihr erstes Winterfell wächst. Dann werden sie, damit ihr Pelz nicht beschädigt wird, durch Giftspritze, Genickbruch, Vergasung oder Elektroexekution getötet. Während die allgemeine Einstellung zum Tragen von Pelz aufgrund vielfältiger Kampagnen kritischer geworden ist, hält sich immer noch der Mythos, dass Leder bei der „Fleischproduktion” sowieso anfalle und damit die Haltung und Tötung der Tiere nicht unterstützt würde. Dies ist insofern falsch, als dass die Vermarktung des ganzen Tierkörpers die Haltung und Ausbeutung der Tiere besonders rentabel macht. Auch die Herkunft der Seide, für deren Herstellung die höchst empfindsamen Seidenraupen vor der Metamorphose zum Schmetterling in ihrem Kokon in kochendes Wasser geworfen werden, ist vielen nicht bekannt.

 

Zur Gewinnung von Daunen und Federn werden Gänse, bevor sie geschlachtet werden, bis zu dreimal maschinell oder mit der Hand gerupft. Da dieser Vorgang bei vollem Bewusstsein der Tiere durchgeführt wird, ist er für die Tiere sehr schmerzvoll und sie ziehen sich dabei ernsthafte Verletzungen zu.

 

Auch die „Wollproduktion“ entspricht nicht dem idyllischen Bild von Schafsherden, denen einmal jährlich ihr Winterfell abgeschoren wird. Der Großteil der Wolle stammt von riesigen Schafsherden in Australien, welche mehrmals jährlich geschoren werden und dabei mit großen Temperaturunterschieden (extreme Hitze vor der Schur, extreme Kälte danach) zu kämpfen haben, was immer wieder zu Todesfällen führt. Auch wird die Schur maschinell vorgenommen, um möglichst viel Profit zu erwirtschaften, wobei den Schafen oft blutende Schnittwunden zugefügt werden.

 

Andere Formen der Tierausbeutung

Hier ist nur ein Teil der gesamten existierenden Tierausbeutung aufgeführt. In Tierversuchen dienen Hunde, Ratten, Affen, Mäuse und viele andere Tiere noch immer als Modell für Substanzen deren Wirkung beim Menschen dadurch abgeschätzt werden soll. Neben der moralischen Verwerflichkeit dieser Versuche können deren Ergebnisse aufgrund der anatomisch-physischen sowie psychischen Unterschiede nicht auf den Menschen übertragen werden. Viele Substanzen wirken bei Tieren völlig anders als beim Menschen.

 

Auch bei der Jagd, im Zoo oder im Zirkus werden Tiere zum Nutzen des Menschen ausgebeutet. Eine vegane Lebensweise hingegen ist ein Schritt in die moralisch-ethisch richtige Richtung.

 

Bücher zum Thema:

Dr. Gill Langley – Vegane Ernährung

Echo-Verlag, ISBN: 978-3-926914-33-0

 

Marc Pierschel – Vegan! Vegane Lebensweise für alle

compassion media, ISBN: 978-3-00-028404-5, 4. Aufl. 5/2011

 

Kath Clements – Vegan. Über Ethik in der Ernährung und die Notwendigkeit eines Wandels

Echo-Verlag, ISBN: 978-3-926914-28-6, 6. Aufl. 9/2008

 

Links zum Thema:

http://www.die-tierfreunde.de/wissen-a-z.html

http://www.tierbefreier.de/veganismus.html

 

 

Wie die American Dietetic Association (ADA, die größte Vereinigung von Ernährungsexpert*innen in den USA) im Jahr 2009 als auch der australische Forschungsrat für Gesundheit und Medizin 2013 erklärten, ist eine gut geplante vegane (oder auch vegetarische) Ernährung für jede Lebensphase geeignet – auch während der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und im Alter. Die Organisationen sind davon überzeugt, dass eine durchdachte vegane Ernährung gesund ist und gesundheitliche Vorteile bei der Vorbeugung und Behandlung bestimmter Krankheiten bietet.

 

Weiterlesen:

www.eatforhealth.gov.au

www.eatright.org